
Auszug aus der Rede von Vertrauenslehrer Wolfgang Seithel
Liebe Absolventinnen und Absolventen, liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Eltern und Gäste,
ich habe heute Morgen die Ehre als Verbindungslehrer einige Worte an
sie/an euch zu richten und zuerst möchte ich allen gratulieren, die nach
Wochen der Anstrengungen in diesem kurzen Schuljahr es geschafft haben.
Es sind sage und schreibe 308 Absolventinnen und Absolventen allein in
den Vollzeitklassen, die unser Berufsbildungszentrum heute verabschiedet
– ich denke, sie haben sich einen Applaus verdient.
Ihr habt mit eurem Abschluss eine weitere Etappe auf eurem Lebensweg
erreicht. Eine neue Wegstrecke liegt vor euch – sei FSJ oder Bundeswehr,
Ausbildung, Studium oder Beruf und es gilt nun weitere Sprossen auf der
Karriereleiter zu erklimmen.
Karriereleiter – so heißt auch die Installation von Peter Lenk, die auf
der Vorderseite unseres Programms abgedruckt ist.
Da wird gerangelt, geschlagen, geboxt und getreten um voran zu kommen
oder um seinen Platz auf der Karriereleiter zu behalten.
Und selbst wenn man ganz oben angekommen ist, ist das eine wackelige
Geschichte und man kann tief fallen.
Durchsetzen um jeden Preis, zur Not mit nicht ganz fairen Mitteln, dass
dies schief gehen kann, haben Politiker wie Koch-Mehrin oder zu
Guttenberg gezeigt. Seine Unschuld zu beteuern, nur das zugeben, was
nicht mehr zu vertuschen ist, um letztendlich doch über die Unwahrheit
zu stolpern. Dabei geht extrem viel Vertrauen verloren und man kann als
normale Bürgerin/ als normaler Bürger schon daran zweifeln, was noch an
Werten in dieser Gesellschaft gilt.
Muss man wirklich ein Schwein sein, gemein sein, um voran zu kommen –
durchsetzen um jeden Preis, ist das die Devise.
.....
Unternehmen merken zunehmend, dass nicht das Ellbogendenken der
Karriereleiter zielführend und nachhaltig ist, sondern Dinge wie
soziales Engagement, Teamfähigkeit, Kreativität zu einem guten
Betriebsklima und letztlich zu mehr Effizienz beitragen. Daher liebe
Absolventinnen und Absolventen, bleibt eurer Linie treu, lasst euch
nicht verbiegen und werdet keine schlechte Kopie von etwas, was ihr
nicht seid, nur weil man es vermeintlich von euch erwartet.
Niemand kann auf Dauer eine Rolle spielen, die er oder sie gar nicht
ist.
Um es mit Worten von Theodor Fontane zu sagen:
“Es kann die Ehre dieser Welt dir keine Ehre geben, was dich in Wahrheit
hebt und hält, muss in dir selber leben. Wenn´s deinem Innern gebricht
an echten Stolzes Stütze, ob dann die Welt dir Beifall spricht, ist all
dir wenig nütze.
Das flücht´ge Lob, des Tages Ruhm magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum: vor dir bestehen können.“
Darum geht es, egal ob in Schule, Studium oder Beruf, dass man sich
selbst im Spiegel anschauen kann und nicht erschrecken muss, vor dem,
was man dann sieht.
Und falls man doch erschrecken sollte, so gilt der alte Spruch:
„Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man gerne
gewesen wäre.“
Also habt euch wohl und ich wünsche euch auch im Namen aller
Kolleginnen und Kollegen viel Erfolg und Erfüllung auf eurem weiteren
Lebensweg.
Teilhart de Chardin hat es mit folgenden Worten auf den Punkt gebracht:
„Weder Ameisenstaat noch schrankenloser Egoismus sind die Lebensform der
Zukunft, sondern einzig die persönliche Entfaltung im Dienst an der
Gemeinschaft hat Zukunft.“
Denkt daran, denn ihr seid unsere Zukunft.
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